Plattform für das Leben Vorarlberg

Auch Lebensschützer brauchen Orte zum Trauern

Ein Ort des Gedenkens für früh verstorbene Kinder: In der Antoniuskirche in Bregenz befindet sich ein Ort der Stille und des Gedenkens. Er lädt dazu ein, allen früh verstorbenen Kinder zu gedenken und ihre Familien im Gebet zu begleiten. Einfühlsame Texte und künstlerisch gestaltete Bilder möchten Trauernden Trost schenken und Hoffnung vermitteln.

In den vergangenen Jahren durften wir mit großem Engagement viele Eltern begleiten und unterstützen, die sich trotz schwieriger Umstände für ihr Kind entschieden haben. Dennoch erleben wir immer wieder, dass Eltern ihr Kind nicht annehmen können oder sich für eine Abtreibung entscheiden. Diese Erfahrungen hinterlassen auch bei vielen Menschen, die sich für den Schutz des Lebens einsetzen, tiefe Betroffenheit.

Aus diesem Grund wurde dieser öffentliche Gedenkort geschaffen.
Er bietet Raum für Trauer, stilles Erinnern und Gebet – für die abgetriebenen Kinder, ihre Eltern und Familien sowie für alle, die im Einsatz für das Leben mit Leid und Verlust konfrontiert werden.
Gedenkstätte für früh verstorbene Kinder

Lydia

Für all die vielen Kinder, die durch Abtreibung zu Tode gekommen sind, steht stellvertretend der Name Lydia.  

Lydia ist das vierte Kind ihrer Eltern, die im Gegensatz zu ihren drei älteren Geschwistern nicht leben durfte. Das kleine Mädchen ist in der 9. Schwangerschaftswoche infolge der Einnahme der Abtreibungspille gestorben. Nach der Einnahme der ersten der beiden abtreibenden Tabletten realisierte ihre Mutter, dass dies ein Fehler war. Sie versuchte, das Leben ihres Kindes zu erhalten und der todbringenden Tablette entgegenzuwirken. Doch hierfür war es bereits zu spät. Es kam zur Fehlgeburt. Der Anblick ihres Kindes, welches mitsamt der Fruchtblase aus ihrem Leib ausgestoßen wurde, ließ sie zutiefst erschaudern: Entgegen ihrer Annahme, es sei „nur ein Zellklumpen“, erblickte sie ein erstaunlich gut entwickeltes kleines Menschenkind, bei dem jedes einzelne Fingerchen zu sehen war.
Lydia wurde von ihrer Mutter liebevoll in ein kleines Kästchen gelegt und würdevoll beerdigt.

An Lydia - und all die vielen durch Abtreibung verstorbenen namenlosen Kinder - erinnert eine Gedenktafel in der St. Antoniuskirche in Bregenz.

Dieses besondere Bild ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Original.
Es zeigt Lydia so, wie sie in der 9. Schwangerschaftswoche – noch von ihrer Fruchtblase umhüllt – geboren wurde.

Lydias Mutter hat uns dieses Bild in vertrauensvoller Absprache zur Verfügung gestellt, damit es Zeugnis ihrer Geschichte geben kann.
Wir bitten Sie herzlich, das Bild nur nach vorheriger Rücksprache mit uns weiterzuverwenden oder zu verbreiten.

Worte von Lydia ...

Liebe Mama,

neun Wochen durfte ich bei dir sein. Für diese gemeinsame Zeit bin ich sehr dankbar.

Nachdem du die erste der beiden Abtreibungstabletten eingenommen hattest, hast du versucht, ihr Wirken aufzuhalten. Dafür möchte ich dir von Herzen Danke sagen. Ich habe gespürt, wie groß deine Angst und deine inneren Kämpfe waren. Vielleicht war das auch der Grund, warum du so lange gewartet hast und erst spät Hilfe gesucht hast, um die Wirkung der ersten Tablette aufzuhalten.

Dann ging alles sehr schnell. Ich wurde aus meinem Zuhause, deinem Bauch, gestoßen. Als du mich sahst – noch geborgen in meiner Fruchtblase –, hast du geweint. Behutsam hast du mich in deine Hände genommen und mich voller Liebe angeschaut.

Du und ich – uns verbindet etwas, das für immer bleibt: derselbe Herzschlag des Lebens. Auch wenn wir nur kurze Zeit miteinander verbringen durften, werde ich dich immer lieben.

Hab keine Angst. Ich bin geborgen und warte auf dich in der Ewigkeit.

Deine dich liebende Lydia