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Auch unter Christen ist umstritten, ob man die eigenen Organe für Transplantationen freigeben soll. Sind Organspenden generell Akte der Nächstenliebe? Oder wird bei Organentnahme nach "Hirntod“-Diagnose unzulässig in den Sterbeprozess eingegriffen?
Zu diesem Thema schrieb DI Andreas Kirchmair einen bemerkenswerten Beitrag, der im Standard im Jahr 2012 veröffentlicht wurde. Der Beitrag ist aktueller denn je.
http://derstandard.at/1350259866056/Der-hohe-Preis-der-Transplantationsmedizin
Link zum ÖBIG Widerspruchsregister - bis 2020 taten das rund 53.500 Personen, darunter auch Ausländer
16.3.2022
«Ein Viertel der Organspender zeigte noch Lebenszeichen» - Artikel - ktipp.ch
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Organspende - Vortrag von Michael Ragg in Lauterach (A) am 4. Juni 2021
Auf mehrfachen Wunsch stellen wir euch hier eine Zusammenfassung des Vortrages von Herrn Michael Ragg zur Verfügung. Der aus Deutschland stammende Referent ist ein begnadeter Redner. Er ist vielen aus Rundfunk und Fernsehen bestens bekannt. Im Rahmen der Jericho-Gebetswoche sprach Ragg über die verschiedenen Aspekte der Organspende.
Die nachfolgenden Ausführungen sollen anregen, sich mit dem Thema der Organspende zu befassen. Jeder von uns kann nämlich aufgrund eines Unglücks in der Familie damit konfrontiert werden, weshalb es gut ist, sich schon jetzt Gedanken darüber zu machen.
Hier ein paar Aspekte zum umfangreichen Thema der Organspende:
Wer nicht im Widerspruchsregister eingetragen ist oder seinen Widerspruch auf andere Weise dokumentiert hat, gilt in Österreich automatisch als Organspender. Das wissen die meisten Österreicher nicht! Sollte ein plötzliches Unglück passieren oder eine Hirnblutung eintreten - das sind die Gründe, die zu einer "Hirntod-Diagnose" führen können - so werden die Angehörigen seitens der Ärzte zwar zur Organentnahme ihrer Angehörigen gefragt, allerdings wird in psychologischer Hinsicht mit dem Ziel dahingehend agiert, dass diese einer Organspende zustimmen. Die Fragen lauten in etwa so: "War ihr Sohn, ihre Tante, der Neffe - oder wen es auch immer betrifft - ein sozial eingestellter Mensch?" Wohl jeder wird in dieser Situation des Schocks und der Überforderung des unerwartet eingetretenen Unglücks, den/die Verunglückten positiv darstellen wollen. Aufgrund dieser kanalisierten Hinführung geraten nicht selten Angehörige auf die Pro-Spender-Schiene und befinden sich somit mittendrin auf dem Weg der Einwilligung zur Organentnahme bei ihrem sogenannt "hirntoten" Angehörigen in der Meinung, etwas Gutes zu tun.
Was sagt die Kirche zu Organspende?
Katechismus der Kath. Kirche: „Die Organspende nach dem Tod ist eine edle und verdienstvolle Tat … Die Invalidität oder den Tod eines Menschen direkt herbeizuführen, ist selbst dann sittlich unzulässig, wenn es dazu dient, den Tod anderer Menschen hinauszuzögern."
Papst Johannes Paul II. zum Welttag der Kranken 2003: „Es ist niemals erlaubt, einen Menschen zu töten um einen anderen zu retten.“
Es besteht große Unwissenheit in der Bevölkerung, was eine Organspende für den Spender bedeutet.
Dem Spender wird bei der Organentnahme alles entnommen, was man entnehmen kann. Dabei ist ein wesentliches Faktum, das es zu beachten gilt: Einem Toten können keine Organe entnommen werden, da sie dann nicht mehr für die Transplantation brauchbar sind! Das bedeutet im Umkehrschluss, der Spender ist ein Lebender!
Das bezeugt beispielsweise der Umstand, dass neuerdings in manchen Ländern eine Vollnarkose gegeben wird, weil sich nicht mit Gewissheit eine Schmerzempfindung ausschließen lässt.
Die Widersprüchlichkeit von Organspende und Patientenverfügung.
Befragungen der Bevölkerung zu diesem Thema bringen zu Tage, dass sich 80 % der Befragten für Organspende aussprechen. Davon sind jedoch die meisten zu träge, um sich eingehend mit dem Thema zu befassen. Ein großer Teil jener, die einen Organspendeausweis haben, haben auch eine Patientenverfügung, in der geschrieben steht, dass sie keine lebensverlängernden Maßnahmen an Apparaten wünschen. Das jedoch ist ein Widerspruch, weil die medizinische Vorbereitung des Spenders für die Durchführung der Organspende alles andere als "palliativ" und ein Sterben in Würde ist.
"Wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären, bekommen wir keine Organe mehr." Zitat von Prof. Rudolf Pichlmayr
(Vorreiter der Organspende-Lobby in Deutschland)
Auffällig ist die positive Darstellung der Organspende im medialen Bereich.
Dabei wird stets betont, dass viele auf ein Spenderorgan warten würden. In Österreich stehen derzeit etwa 800 Menschen auf der Warteliste. Was nicht dazu gesagt wird, ist, dass transplantierte Menschen oftmals aufgrund von Komplikationen mehrmals transplantiert werden müssen und somit nach der Transplantation abermals auf die Warteliste gesetzt werden. Als Bürger wird einem suggeriert, es gehe um die Rettung von Leben und um Lebensverlängerung bei den Empfängern. Die Wahrheit ist, dass es sich in den meisten Fällen jedoch um eine Verbesserung der Lebensqualität des Empfängers handelt und nur selten um eine überlebensnotwendige Maßnahme. Das ist beispielsweise bei Dialysepatienten der Fall, denen dadurch ein mehrmals wöchentliches Anfallen der Blutwäsche erspart werden soll. Freilich ist der Aufwand, zur Dialyse zu müssen, eine zeitlich große Herausforderung. Diese Fälle zeigen jedoch, dass das Leben der Organempfänger nicht von einer gespendeten Niere abhängig ist.
"Die Sorge der Ärzte gilt nur den Organen, nicht dem Überleben des Verunfallten!"
Kommt ein Mensch als Organspender infrage, werden der Organe wegen die medizinischen Maßnahmen hochgefahren, mit dem Ziel, die Organe gut erhalten entnehmen zu können. Alles wird unternommen, damit der Spender nicht vor der Entnahme verstirbt. Das heißt, die medizinisch invasiven Maßnahmen gelten nicht dem Überleben des Spenders, sondern seinen Organen.
Was bedeutet "Hirntod"?
In diesem Zusammenhang stellt sich unweigerlich die Frage, wie der "Hirntod" definiert wird. Die dt. Bundesärztekammer beschreibt den Hirntod als irreversible erloschene Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Leider ist diese Definition überhaupt nicht klar. Ein Arzt kann aufgrund von klassischen Todeszeichen lediglich erkennen, ob ein Mensch verstorben ist. Einen Hirntot zu diagnostizieren, ist, trotz des medizinischen Fortschritts, nicht so einfach, wie man als Laie vielleicht annehmen möchte. Auch mit der Hirnstrommessung kommt man da nicht sehr weit. Zudem gibt es ständig neue Erkenntnisse. Beispielsweise wurde neuerdings herausgefunden, dass auch das Herz des Menschen neuronale Impulse abgibt, welche für die Lebenserhaltung von Bedeutung sind. Es kommt also nicht allein auf die Gehirnfunktionen an.
Bei all den Überlegungen stellt sich die wesentliche Frage: Wann kommt die Seele in den Menschen hinein und wann geht sie hinaus?
Für gläubige Christen ist klar, wann der menschliche Körper beseelt wird: Wir glauben, dass Gott dem Menschen die Seele bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle einhaucht. Aber wann geht sie am Ende der Erdenzeit aus dem menschlichen Körper wieder hinaus? Offensichtlich wurde im Laufe der vergangenen Jahrzehnte der "Hirntod" einer ständigen Neudefinition unterworfen - das alles geschieht leider nicht zugunsten der ungefragten Organspender!
Der Zeitpunkt des Todes wurde in den über 30 Novellen der Hirntoddefinition permanent nach vorne verlagert. Es kommt immer wieder vor, dass als hirntot befundete Patienten wieder selbständig zu atmen beginnen und weiterleben.
Beeindruckend ist die wahre Geschichte zweier Freunde, die aufgrund eines Motorradunfalls schwerste Gehirnverletzungen davongetragen haben. Sie kamen auf die Intensivstation in verschiedene Krankenhäuser. Beide jungen Männer wurden für gehirntot erklärt. Einer davon wurde für die Organentnahme nach Wien transferiert. Der Arzt des zweiten Patienten hingegen hat den jungen Mann nicht zur Organentnahme überstellen lassen. Dieser Patient wurde intensivmedizinisch behandelt und wachte aus dem Koma wieder auf. Er konnte wenige Zeit später seine Matura nachholen. Dieser Erfahrungsbericht zeigt, dass die Gehirntod-Diagnose keineswegs einfach zu stellen ist.
Es gibt in Osteuropa einen Arzt, der in sein Krankenhaus sogenannt "hirntote" Patienten aufnimmt und diese intensivmedizinisch behandelt. Nicht wenige konnten sich erholen und genesen.
Der Transplantierte muss zeitlebens Immunsuppressiva einnehmen.
Organempfänger müssen bis an ihr Lebensende Medikamente zu sich nehmen, um die eigene Immunabwehr zu unterdrücken, damit das Spenderorgan nicht abgestoßen wird. Das kommt seitens der Lobbyisten nicht zur Sprache. Auch werden die finanziellen Interessen der Pharmakonzerne verschwiegen, die beispielsweise pro Lebensjahr des Empfängers 50.000,- Euro am Verkauf der nötigen Medikamente verdienen. Hinzu kommen Erkenntnisse, dass es bei Organtransplantierten zu psychischen Wesensveränderungen kommen kann.
Zusammenfassende Gedanken, die wir in der komplexen Thematik in Gesprächen mit Verantwortungsträgern ansprechen sollten:
- Auf welcher Grundlage wird eine "Hirntod"-Definition gestellt?
- Wird alles darangesetzt, alternative Methoden der Forschung und Erzeugung von Organen wissenschaftlich voranzutreiben?
-> Es konnten beispielsweise bereits unter ethisch einwandfreien Bedingungen Kunststoffherzen erfolgreich transplantiert werden.
- Pharmalobby und politische Verantwortungsträger sollten aufgefordert werden, wahrheitsgemäß über Organspende zu informieren.
- Gibt es Kontrollinstanzen, die aus ethischer Sicht eine Überwachung der Organspende überblicken?
-> Die Gesundung des Spenders sollte im Vordergrund stehen und nicht das lukrative Geschäft mit Organen.
- Ärzte sollen Angehörige des Verunfallten nicht zur Organspende nötigen und diese als "letzten Akt der Nächstenliebe" anpreisen. Zumal es nicht wenige Fälle gibt, in denen sogenannt "Hirntote" wieder selbständig zu atmen begonnen haben und teils auch genesen sind.
Weiterführende Informationen zum Thema Organspende:
Gesprächsbuch von Regina Breul mit Wolfgang Waldstein, welches beim Verlag Media Maria bestellbar ist: https://www.media-maria.de/buecher/ratgeber/krankheit-krise/3688/hirntod-organspende
Initiative „Kritische Aufklärung Organtransplantation“ https://initiative-kao.de/
Herr Michael Ragg wird zusammen mit der Leiterin der Initiative, Renate Greinert, ein Seminar auf dem Kongress „Leben.Würde“ im Oktober 2022 halten. https://www.bundesverband-lebensrecht.de/leben-wuerde-kongress-2021/#top
Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit des komplexen Themas der Organspende. Für den Inhalt: Natalie Bayer-Metzler